Kein Dan Mangan für Dan-Mangan-Fans?

Dan Mangan kommt am 17. September ins FranzK und gibt ein Konzert. Als ich das hörte, lud ich Leute ein, mitzukommen, um ihn live zu erleben.

Dann stieß ich auf eine begeisterte Rezension des neuen Albums „Club Meds“, las etwas von seiner neuen Band, dem neuen Sound, der neuen Ausrichtung. Sicherheitshalber hörte ich mal rein, war etwas irritiert, kaufte die CD und beschäftigte mich intensiver damit. Sehr, sehr knifflig, diese Scheibe! Mehrfach habe ich nun gelesen, dass sie „schwer verdaulich“ oder „sperrig“ ist, und es lohnt, sich einzuhören. Es gibt wirklich viele 5-Sterne-Rezensionen.
Bei den alten, gewohnten Stücken auf früheren CDs sind richtige Ohrwürmer dabei – „Oh Fortune“, „About As Helpful As You Can Be Without Being Any Help At All“ oder „Daffodil“ etwa. Fast schon zuckersüß, aber mit einer rauen Stimme, Dissonanzen und Passagen hartnäckig wiederholender Rhythmen, aus denen einen Dan Mangan erlöst. Man hört ihm dann um so lieber zu, konzentriert sich auf den Text und wird gerade dafür belohnt:

„Both feet together
Slowly progressing
Always in time
Don’t count the feathers
Just count the wings
Everyday counting
Everything’s changing
I almost forgot it
But then I remembered

I was thrown in the boat
Cast out to sea
Friendly with waves
There were sharks below
Hungry for me
So I dangled my leg“

Skurrile, faszinierende, düstere, etwas verschlossene Poesie.

Das gibt`s auf „Club Meds“ nun auch. Aber diese teils anstrengenden, schrägen, repetitiven Rhythmen und Melodiefetzen, die harten Riffs stehen teilweise stark im Vordergrund und werden dann von einem zuckersüßeren Dan Mangan gebrochen, der aber mit seiner ruhigen Art nicht gegen den Art-Rock oder was immer das auch ist ankommt. Manchmal klingt es, überspitzt ausgedrückt, nach krawalliger Band und etwas trivialem Singen, untermalt von Geigen und Bläsern (Ich frage mal: Braucht er das? Man schaue sich mal „Dan Mangan performs About As Helpful As You Can Be Without Being Any Help At All on Exclaim!TV“ als Video an… da ist das Fehlen der Begleitung und der grottige Sound ein Gewinn und kein Mangel, weil Dan Mangan einfach eine große Präsenz hat). Zwischen dem Rock ist Mangan ein klassischer Singer-Songwriter eben, mit Bonus-Orchester.

Man kann diesen Eindruck, den ich gerade habe, sicher widerlegen. Er entstand aus der oben geschilderten Historie heraus, wenn man den Mann mit der großen, authentisch wirkenden Stimme, die nach tausend Seemeilen, Möwen, Wind und Wetter, Einsamkeit und Melancholie klingt, mag – und einem die Ohrwürmer, die Erlösungen und die Poesie nicht aus dem Kopf gehen.

Und dann stößt man auf ein Album, das man sich als „Kenner“ wieder und wieder über Kopfhörer erschließen muss. Aber es ist nicht mehr die Art Musik, zu der ich ein bunt gemischtes Publikum einladen möchte, weil sie das unbedingt mal gehört haben müssen. Die würden vielleicht drei Sterne geben, ich eher mehr… also ist es irgendwo dazwischen.

Die oft vergebenen 5-Sterne sind für mich auch nachvollziehbar. Wenn man nur dieses Album betrachtet, isoliert, dann ist es etwas ganz besonderes. Für Kritiker, Kenner, Kopf-Hörer. Aber es ist ein Bruch für Dan-Mangan-Fans.

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